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Medien wohin? Grosse Fragen am Wirtschaftstreffen

von Links: Christoph von Büren, Martina Vieli und Walter Herzog

Tagung über die ungewisse Reise in eine Zukunft virtueller Medien

 

von Nadine Freiermuth, NFZ, 08.09.2011


Am Montagabend führte die FDP Bezirk Rheinfelden das traditionelle Wirtschaftstreffen durch. In den Gemäuern des Schützenkellers tat man mit der Leitfrage «Medien - wohin?» ein weites Feld auf

Im Bild von links: Christoph von Büren, Martina Vieli und Walter Herzog

 

RHEINFELDEN. Es biete sich an, in einer Region wie dem Fricktal, die sich durch eine grosse Medienpäsenz auszeichne, der Frage «Medien - wohin?» einen Themenabend zu widmen, sagte Christoph von Büren, Präsident der FDP des Bezirks Rheinfelden, als er am Montagabend die zahlreichen Gäste im Schützenkeller begrüsste. «Dass heute Abend so viele Leute hergekommen sind, liegt sicher auch an unseren Referenten», vermutete er wohl zu recht; das erste der beiden Referate hielt Walter Herzog, Chefredaktor und Verleger der Neuen Fricktaler Zeitung und gemäss Christoph von Büren «ein Urfreisinniger, der sich im Mediengeschäft auskennt wie kaum ein anderer>.

 

Eine staatspolitische Dimension

Unter der Leitfrage «Printmedien - Qualität und Vielfalt in Gefahr?» widmete sich Walter Herzog dem gegenwärtigen Strukturwandel, der, medial stattfindend, gesellschaftliches Leben genauso durchdringt wie wirtschaftliches. «Informationen umgeben uns 24 Stunden täglich», konstatierte er, «und mit neuen Technologien entstehen neue Medien.» Diese Entwicklung sei so einschneidend, dass man von einer «digitalen Revolution» sprechen dürfe, «die vergleichbar ist mit der Erfindung der Elektrizität» .

 

In der Printmedienlandschaft äussert sich ein Aspekt der «digitalen Revolution» im Rückgang von Zeitungsabonnements - ein global zu beobachtendes Phänomen. «Dabei ist der Gratistrend bei Informationen nicht wirklich neu, aber heute durch die AlIgegenwärtigkeit des Internets weit verbreitet.» Zu unterscheiden gelte es bei diesem Wandel zwischen einer wirtschaftlichen Dimension einerseits, die einen «normalen Veränderungsprozess erfahre. Die staatspolitische Dimension andererseits, welche die Medien als «vierte Gewalt» meint, deren Aufgabe es ist, als qualitativ gute Informationsquelle und in ihrer Vielfalt und Freiheit die Kritikfähigkeit der Bürger sicherzustellen, berge Risiken: «Hier sehe ich durchaus ein Gefahrenpotential, wenn Monopole entstehen und der Trend zu Kurzfutter-Information weiter um sich greift», führte Walter Herzog aus.

 

Der Einstieg in Social Media erfordert eine Strategie

In ihrem Referat mit dem Titel «Social Media für Unternehmen & Unternehmer - Einsatzfelder, Chancen und Herausforderungen» steckte Martina Vieli, PR Senior Consultant bei Farner Consulting AG, einige Wegweiser ins Dickicht der virtuellen Netzwerke und wies auf Vor- und Nachteile der «süss-sauren Früchte des Web 2.0» hin. «Der Einstieg in Social Media geschieht oft ohne Strategie, wovon ich Politikern und Unternehmen unbedingt abrate», betonte sie. Die neuen Kommunikationswege über Facebook, twitter und weitere Plattformen heben die Grenzen zwischen Sender und Empfänger auf, was direktes und kostengünstiges Feedback, aber auch Kontrollverlust bedeute. «Es gibt immer noch viele Unternehmen, die von Social Media keinen Gebrauch machen. Dies liegt meist dar an, dass die Ressourcen zur Bewirtschaftung der Kanäle oder das erforderliche Know-How fehlen», so Martina Vieli. Fest stehe jedoch, dass die Zeiten der Einweg-Kommunikation vorbei seien.

 

Wohin führt sie nun, die Reise nach der digitalen Wende? Und was ist zukünftig die Aufgabe der  Journalisten, wenn Informationen zunehmend ungefiltert und in Echtzeit fliessen? «Wird der Beruf des Journalisten gar abgeschafft?», wie ein Teilnehmer fragte. Dies geschehe nur, wenn wir das so wollen, war die Antwort Walter Herzogs. «Keiner weiss genau, wie es weitergeht. Es liegt an uns, kritisch und wachsam zu bleiben.»

 

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